Projektname

Demokratie BAUen – Für ein demokratisches Zusammenleben und eine solidarische Gesellschaft ohne Diskriminierung

Kurztitel

Demokratie BAUen

Laufzeit

07/2021 – 12/2024

Gefördert durch

Bundesministerium für Arbeit und Soziales

Administriert durch Bundesamt für Migration und Flüchtlinge

Kooperationspartner

Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt

Deutscher Gewerkschaftsbund

Projekthintergrund

Durch den Strukturwandel und die Zunahme der Vergabe von Gewerken an Subunternehmen innerhalb des Baugewerbes ist ein starker Konkurrenzdruck zwischen und innerhalb von Belegschaften entstanden.

Lange Zeit war die Bauwirtschaft ein lntegrationsmotor, weil Menschen aus vielen Ländern hier Arbeit fanden. Die traditionell hohe Tarifbindung und das kooperative Arbeiten in den großen Baufirmen entschärfte die Spaltung unter den Belegschaften.  Diese inklusive Wirkung der Branche droht verloren zu gehen. Seit den frühen 2000er Jahren hat sich im Bau ein ausgeprägter Strukturwandel vollzogen. Große Generalunternehmer übernehmen häufig nur noch die Bauplanung und vergeben die einzelnen Gewerke an kleine Subunternehmen.  Laut Bauindustrieverband liegt der Anteil der Kosten für Fremdleistungen bei Bauprojekten mittlerweile im Durchschnitt bei 30% der Gesamtkosten.  Die Belegschaften der Subunternehmer sind häufig nach Staatsangehörigkeit differenziert. Lohndumping durch die Umgehung der Branchenmindestlöhne führen zu einem steigenden Konkurrenzdruck zwischen Belegschaften.

Noch immer ist der Anteil von Menschen ohne deutsche Staatsbürgerschaft im Bau besonders hoch und die Tendenz ist steigend. Laut Bauindustrieverband verfügt jeder fünfte Beschäftigte im Hochbau nicht über die deutsche Staatsangehörigkeit. Laut Bundesagentur für Arbeit lag der Anteil der Auszubildenden ohne deutsche Staatsangehörigkeit in 2019 bei über 13 %. Diese Beschäftigten sind aufgrund der oben skizzierten Zusammenhänge immer häufiger mit Ideologien der Ungleichheit konfrontiert.

Projektziel

Das Ziel von „Demokratie BAUen“ ist es einer weiteren Polarisierung zwischen und innerhalb der Belegschaften am Bau entgegenzuwirken und der Ausbreitung von Rechtsextremismus und Rassismus entgegen zu wirken. Zieleinheit sind dabei nicht die einzelne Betriebe sondern die vielen unterschiedlichen Belegschaften der General- und Subunternehmen auf einer Baustelle.

Im Baugewerbe wird laut statistischem Bundesamt fast 80% des Umsatzes der Branche durch kleine und mittlere Unternehmen (KMU) realisiert. Viele der in der IG BAU organisierten Kolleg*innen arbeiten in diesen Betrieben. Am Ende der Projektlaufzeit sind über die IG BAU ehrenamtlich aktive Teilnehmende und Betriebsrät*innen für das Projekt gewonnen worden. Ihre Demokratiekompetenz als in den Belegschaften einflussreiche Kolleg*innen ist aufgebaut. Die Teilnehmenden entwickeln umsetzungsorientierte Projekte zum Aufbau kultureller Diversität und schaffen selbständig starke und gruppenübergreifende Netzwerke gegen Ideologien der Ungleichheit auf den Baustellen.

Zielgruppen

Das Projekt „Demokratie BAUen“ richtet sich an Aktive in der gesamten Bauwirtschaft bundesweit. Das Projekt unterstützt die ehrenamtliche Arbeit vor Ort, in der Betriebsratsarbeit, der Arbeit der Jugend- und Ausbildungsvertreter*innen (JAVen) in ihrem Engagement im Betrieb und organisieren Projekttage in Berufsschulen und Ausbildungszentren.

Projektumsetzung

Ehrenamtlich aktive Gewerkschaftsmitglieder und BRs sowie JAVen werden in Workshops qualifiziert und entwickeln gemeinsam Ideen und Maßnahmen für die konkrete Umsetzung im Betrieb. Dabei wird das Format der Lernwerkstatt genutzt. Das Grundprinzip der Lernwerkstatt lautet, gemeinsam mit den Teilnehmenden – ausgehend von ihren Erfahrungen und Erwartungen – Wissen, Kenntnisse und Fertigkeiten zu erarbeiten und deren Anwendung zu erproben. Dazu gehören Methoden, die das aktive Lernen fördern. Impulsreferate, Vertiefung in Kleingruppen, Erproben in „Rollenspielen“ (bzw. erlebten/erwarteten Szenarien), Präsentieren vor Einzelnen und Gruppen, Reflexion der dabei gemachten Erfahrungen, mit dem Ziel, nicht nur sich selbst weiterzuentwickeln, sondern auch die Umsetzung des Gelernten in den persönlichen Arbeits- und Lebenswelten aktiv zu gestalten.

Veröffentlicht am 11. Januar 2022